Warum der Urin “stinkt”
Sicherlich haben Sie nach dem Genuß von Spargel festgestellt, daß Ihr Urin einen ungewöhnlichen Geruch entwickelt. Das ist allerdings nicht bei allen Menschen so.
Der hohe Gehalt an Kalium und am Aromastoff Asparagin sorgen dafür, dass ein Zuviel von Wasser im Körper ausgeschieden wird. Das heißt, dass die Nieren zur Entwässerung angeregt werden. Spargel enthält nicht nur für die Förderung der Darmtätigkeit viele Ballaststoffe, er bringt auch gleich die zum Aufquellen notwendige Flüssigkeitsmenge mit, denn er besteht zu 94 % aus Wasser. Kein Wunder also, dass man nach einem ausgiebigen Spargelessen auf die Toilette muß. Denn die Förderung der Nierentätigkeit und damit nachgesagte “Entschlackungen” sind auch einfach nur Folge des Verspeisens von Spargel, von dem man als Essensportion für eine Person 500 g einkalkuliert. Denn wenn man viel Wasser und darin gelöste Salze und andere Stoffe zu sich nimmt, muß man sie notwendigerweise auch wieder ausscheiden. Jedoch ist am Kalium als treibende Kraft etwas dran.
Asparagin ist geruchlos
Aber wie ist das mit dem stinkenden Urin und vor allem mit dem Aromastoff Asparagin? Dass Spargel sehr viel Asparagin enthält stimmt. Asparagin stinkt aber nicht, denn das ist eine Aminosäure, die sehr polar (sogar ionisch) ist und nicht verdampft. Davon kann man sich anhand einer Probe aus dem Chemikalienschrank leicht überzeugen.
Ein erster Hinweis darauf, was es mit dem Geruch des Spargels auf sich haben könnte, ist, daß in den Sproßachsen Schwefel-haltige Verbindungen nachgewiesen wurden. Es ist zu vermuten, daß diese Verbindungen bzw. ihre Abbauprodukte stinken. Denken wir nur an die Schwefel-haltigen Ausscheidungen von Kater oder vom Stinktier.
Lassen wir uns vom “Römpp-Lexikon Lebensmittelchemie” beraten: Unter den zahlreich nachgewiesenen Aromastoffen dominieren Schwefel-haltige Verbindungen, z. B. 1,2-Dithiol und 1,2-Dithiolan-4-carbonsäuremethylester mit ausgesprochenem Spargelaroma. Mengenmäßig überwiegen der Ester sowie die zugehörige 1,2-Dithiolan-4-carbonsäure. Letztere heißt auch Asparagussäure. Daher kommt vielleicht die falsche Meinung in vielen populär-wissenschaftlichen Darstellungen, der Aromastoff des Spargels sei das Asparagin.
Der nach dem Verzehr von Spargel eintretende typische Geruch des Urins ist auf Abbauprodukte wie S-Methyl-thioacrylat sowie auf dessen Methanthiol-Additionsprodukt S-Methyl-3-(methylthio)thioproponiat zurückzuführen.
Diese Reaktion läuft in unserem Körper ab. Das ist keineswegs eine exotische Reaktion. Denn den Dithiolan-Ring finden wir auch in einer biochemisch wirksamen Substanz wieder, in der Liponsäure, die bei den oxidativen Decarboxylierungsreaktionen eine wichtige Rolle spielt.
Die Liponsäure wird (wie auch die Spargelinhaltsstoffe) aus Cystein aufgebaut. Im Metabolismus von Liponsäure finden wir vielleicht die Erklärung, dass bei der Mehrzahl der Menschen der Urin nach Spargelgenuß nicht riecht, weil sie genetisch bedingt keine Enzyme zur Metabolisierung der Spargelaromastoffe haben und somit die Geruchsstoffe nicht herstellen können. Spargel wirkt also nicht “entschlackend”, was immer das auch sei. Es werden nur diejenigen Stoffe ausgeschieden, die durch ihn in den Körper hineingelangen.
Quelle:Arbeitsgruppe Didaktik der Chemie II (”DC2″) um Prof. Dr. R. Blume, Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld

am 14. Mai 2006 um 23:10 Uhr.
Kann jemand mal die Fachbegriffe für die Personen übersetzen die kein Chemie und Biologie studiert haben?
z.b.
Dithiolan-Ring, oxidativen Decarboxylierungsreaktionen, Metabolismus,
am 15. Mai 2006 um 16:08 Uhr.
Jihn guck dir den originaltext auf http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/tip/06_01.htm an. Da sind die strukturen zu den chemischen namen gezeichnet.
am 27. Mai 2006 um 18:10 Uhr.
Das war endlich mal eine vernünftige Erklärung, warum es stinkt. Die Asparagintheorie ist leider überall verbreitet, selbst die Spargelprofis behaupten diesen Unsinn.
am 7. Juni 2006 um 13:41 Uhr.
Metabolismus heißt Stoffwechsel. Beim Stoffwechsel in Deinem Körper werden chemische Verbindungen (zB aus der Nahrung) abgebaut und umgebaut. Beim Abbau von Spargelinhaltsstoffen wird bei einigen Menschen ein stinkender Stoff hergestelt der mit dem Urin ausgeschieden wird - die meisten Menschen haben allerdings nicht die notwendige Aussstattung in ihren “inneren Chemiefabriken” so daß es nicht stinkt. Beide Menschen sind gesund. Die Fachbegriffe wirst Du leider ohne Chemiekentnisse nicht verstehen - aber ich habe ja den Hintergrund erläutert.
am 9. Juni 2006 um 8:53 Uhr.
[…] Achja … gestern Spargelabend bei Louisa. Spargel schmeckt viel besser als ich in Erinnerung hatte. […]
am 5. November 2007 um 21:28 Uhr.
Wie gross ist der Protzentteil jener Personen welcher der Urin Stinkt?
am 20. November 2007 um 19:49 Uhr.
bei ca. 40 % der Menschen
am 16. Mai 2008 um 21:03 Uhr.
Kann der Urin auch nach Spargel riechen auch wenn man gar keinen Spargel gegessen hat? Ist bei mir dummerweise der Fall.
am 28. Mai 2008 um 21:26 Uhr.
Oh Gott, Peter ;-o !!!
Da hilft nur EINS: Dein SPARGEL muss ab!!!
am 1. Juni 2008 um 10:10 Uhr.
ich habe das gleiche Problem wie Peter (Urin riecht so, auch ohne Spargel gegessen zu haben).
hat jemand eine vernünftige Erklärung dafür?
(Bemerkungen wie von “Kassandra” sind kaum hilfreich, und witzig eigentlich auch nicht.)
am 8. Juni 2008 um 16:44 Uhr.
Man ihr seit auch alles Stinker
Ist doch nicht so schlimm. Solange ihr noch was merkt, seit ihr Gesund.
am 20. Juni 2008 um 9:09 Uhr.
[…] Warum der Urin , www.spargeltreff.de/ […]
am 23. Juli 2008 um 21:33 Uhr.
naja, schwefelhaltige verbindungen finden sich eben nich NUR im spargel - also kann der urin auch sonst “stinken”.
.
und manchmal isst mensch spargel (zb in ommas gemüseeintopf), ohne sich dessen bewusst zu sein (war bei mir zumindest früher so
würd mir an eurer (martha, peter) stelle keinen kopp drum machen - schließlich ist urin zwar “ein ganz besonderer saft”, aber nicht unbedingt das gängige freizeitgetränk/parfum….
am 13. Juni 2009 um 9:22 Uhr.
[…] Schön sieht es nicht gerade in unserem Kühlschrank aus, aber es liegt was feines drin: Vorgeschälter Spargel vom Aldi. Convenience finde ich ja eigentlich Scheiße, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Sehr schmackhaft und zart isser, und kostet dabei nur 3 Euronen pro Packung. Wer also ein kulinarisches Erlebnis auf Abkürzungen erreichen will und auch nach dem Essen auf Abwechslung aus ist, dem sei der Gang zu Aldi angeraten. […]